Dienstag, 17. April 2007

Vor dem Gebrauch lesen. Nach dem Lesen, nicht mehr zu gebrauchen.

Ich begrüße Sie, werter Leser.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass es inzwischen durchaus auch Leser(in) heißen sollte, allein des hohen Anteil an Frauen im Netz, dem VL an sich und der Gameszene wegen. Doch, ebenso wenig wie ich daran glaube, das sich auf diese Seite viele Frauen verirren werden, als es überhaupt viele Leser geben wird, jedenfalls nicht in naher Zukunft, belasse ich meine Anrede bei der rein männlichen Anrede.
Die Höflichkeitsform möchte ich deshalb anbringen, weil es doch viel zu oft ein sehr trübes Fischen im Schlamm der anonymen Internetgesellschaft darstellt und selbst intelegente, liebevolle Familenväter zum pubertierenden Bodensatz einer posenden Proleedmasterroxxor-Gemeinde werden. Ich nehme mich davon ausdrücklich nicht aus, möchte mir aber diese allzu lästige Angewohnheit sehr gerne abgewöhnen.

Dieser Blog hat kein scharf umrissenes Ziel, ist dabei aber - so hoffe ich - weit von den "Ich-erzähl-euch-mal"-Monolithen entfernt. Nicht das ich diese Blogs abwerten wollte, tatsächlich kenne ich nur wenige Blogs und verfolge die Szene ehr einer spontanen Eingebung folgend. Der Zerstreuung wegen.

Wie der Untertitel schon umschreibt, soll sich der Blog insgesamt mehr oder minder um das Thema "VL"² drehen und wie man damit im "RL"³ zurande kommt. Denn an den Nahtstellen dieser beiden Welten gibt es so manche Risse und Eselsohren, an den man sich böse Flecken holen kann.

Sinn und Widersinn von Blogs

Es gibt sicherlich mehre Millionen "emo-Bloger"², die den ganzen Tag im Internet ihr Leid, ihr Leiden und ihren Leidensweg danieder schreiben. Der Vorteil ist, es wird kein Papier verschwendet und nicht ein Baum umgehauen, es sei den, geschätzter Leser, sie drucken sich derlei Lekture aus...bitte tuen sie das nicht. Nehmen sie das Bild ihres Kindes, es wirkt soviel dekorativer am Kühlschrank...oder legen Sie den Ausdruck, nach dem Sie ihn gelesen haben, doch in den Hamsterkäfig.
Was ich damit sagen will, auch ich gehöre sicherlich in vielen Bereichen meines virtuellen Werdeganges immer wieder dem Lager der "Emos" an. Gemütsschwer schleppe ich mich dann durch meinen V-Alltag, rege mich über alte Einträge im Daniel-Kübelböck-Fanforum auf, weine, wenn ich wieder nur böse Spammmails bekommen habe und überlege, ob ich den Support meines Internetanbieters anrufen soll, um ihn anzuschreien, das mein Internet nicht funktioniere, am besten über Skype...
In solchen Phasen würde ich am liebsten meine eigene Beerdigung ausrichten, nur um nachzuzählen, wie viele kommen würden und vorwiegend wer. Mit Litermass würde ich ihre Tränen nachmessen.
Für solche Kreaturen wie wir es sind; nun kann ich getrost von "wir" sprechen, sie kennen die grässliche Wahrheit ja nun, werter Leser, sind in den Phasen, die wie die Periode der Frau monatlich unaufhaltsam einkehren, gerade zu gewaltsam unfähig zur sinnvollen Selbstreflektion. Wie aus einem üblem Fiberwahn unter Alkohol und Kokain, sehen wir uns dann die Werke dieses "Anfalls" nur sehr ungern an.
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Anmerkungen: (für alle die Angst vorm Fragen haben...)
² = virtuelles Leben
³ = reales Leben
² = "Emobloger" sind emotional überreagierende Teilzeitdramatiker mit einem Hang zum alles erstickenden Selbstmitleidkomplexen. Das Wort an sich habe ich erfunden. Glaub ich wenigstens, jedenfalls hab ich nirgendswo anders gesehen und deswegen ist es MEINS!!!
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Worauf will ich hinaus, werter Leser? Und womit hätte ich bisher ihre Geduld gerechtfertigt? Mit nichts, natürlich.
Das Schöne am Blogen ist, es geht um wirklich nichts Wichtiges. All das hier ist mehr oder minder inhaltsloser Zeitvertreib und nur Menschen mit einer wirklichen Verhaltensauffälligkeit, um es vorsichtig auszudrucken, stricken sich daraus einen Lebensinhalt. Ich nehme natürlich solche Formate aus, die sich da mit dem Amateurjournalismus betätigen oder inhaltliches Fachsimpeln über ausgewählte Themen wie Angeln, Modelbau oder Töpfern aufbereiten. Die breite Masse ist jedoch nur noch mit sich selbst beschäftigt, in dem Glauben, das es irgendetwas Interessantes daran gäbe, das die Welt erfahren müsste. Und so werden allzu oft die guten alten Blogs übers Töpfern mit privatem Inhalt aufgefüllt, das zusammen gesetzt ehr an ein Protokoll aus einem Beichtstuhl oder einem Therapiezentrum erinnert.
Vielleicht ist es auch Therapie, für den einen oder anderen. Seelenstrip kann genauso erfüllend sein wie die Selbstbefriedigung. Etwas das es in einer offenen Gesellschaft nicht zu verteufeln gilt. Also haben diese vielen, inhaltlich unnützen Blogs ihre Berechtigung? Natürlich haben sie das. Es erleichtert dem Schreiber scheinbar das Leben, in welcher gearteten Weise das auch sein mag. Und der Leser, Sie also, fühlen sich entweder unterhalten und informiert oder tun es nicht, so das ihnen jedoch immer noch die unbegrenzte Auswahl einer Vielzahl Angeboten offen steht. Fein ist dabei auch, das der Schreiber nicht direkt von einer eventuellen Ablehnung Ihrerseits betroffen ist, solange er keinen Wert oder eine Notwendigkeit zieht, wie es Schriftsteller mit Auflagenzahlen oder Theaterschauspieler mit dem Publikum machen.
Sie sehen also, geschätzter Leser, allein das Schreiben an sich kann schon der Mühe wert sein. Es noch zu veröffentlichen, das ist wohl das Sahnehäubchen oben drauf. Auch ich kann also nur Gewinn daraus ziehen. Aus mehren Gründen:

1. Ich übe mich. Schreiben, Formulieren, Fabulierer. All das hält den Verstand in Form und verbessert die grundlegenden Fähigkeiten der Sprachkenntnisse. Allein meiner Orthografie wegen ist ein solches Projekt hier ein Segen, wie Sie sicher schon an den Stellen bemerkt haben, die ich selbst nicht beim Durchsehen erwischen konnte. Lektoren sind heute aber auch wirklich Mangelware, finden Sie nicht auch?

2. Ich schreibe über Dinge, die mich so bewegen und beschäftigen. Das ist einfach spannend. Man beginnt die erlebten Dinge unter anderen Blickwinkeln zu betrachten und, wenn es alles passt, lernt man Neues daraus.

3. Ich unterhalte Sie. Warum auch immer. Vielleicht, wenn das hier eine Weile gut geht und Ihnen der Sinn danach steht, erklären Sie mir warum. Versprochen?

Puh…wenn ich mir so den Text betrachte, den ich bisher zustande gebracht habe, sollte ich dringend ein paar motivierende Zwischensätze streuen, die Sie zum Durchhalten animieren sollen. Denn es lohnt sich. Da gibt es etwas, dessen ich mich immer sehr erfreut habe, ohne mir jemals des Begriffes bewusst gewesen zu sein. Jedenfalls nicht insofern, das ich dieses einmal tunen würde. Satire schreiben.
Ja, um es deutlich zu machen, da steh ich drauf. Ich mag es, Großen, die viel stärker sind, als ich, ihr Scheitern und ihr Verfehlen richtig hinzu reiben. Dabei ist mir das Feld in dem ich meine Antagonisten wähle, mehr als beliebig. Verstärkt bin ich natürlich in Feldern unterwegs, in denen ich mich auskenne. Aber immer wieder darf es ein Abstecher in Nachbars Garten sein. Doch will ich Sie nicht gleich auf den ersten Zeilen verschrecken. Zu viele Seiten sind sarkastische Schlachtfelder, auf denen in bluttriefende Foren vernarbte Zyniker nur noch auf den nächsten unbedarften User warten, um ihm Unschuld, Würde und Selbstvertrauen zu nehmen. Zwar bin ich selbst oft nicht ganz unschuldig gewesen und war bei mehr als nur einer Jagd auf Neulinge dabei. Zaungäste werden im Internet schnell zu Komplizen. Oder Opfern. Ich schäme mich deswegen nicht, bin aber auch nicht sonderlich stolz drauf. Es gehört zum VL. Was dem einem Patina ist dem anderen Narbengewebe. Ich halte es schlicht für Übung und Erfahrung. Seien Sie jedoch versichert, hier ist es wie im Tiergarten bei der Fütterung im Raubtiergehege. Sie gucken, ich fresse. Wenn Sie auf so was stehen, ein weiteres mal herzlich Willkommen.
Toll finde ich dabei, das die größeren, gemeineren Viecher vom Nebengatter nicht zum mir kommen können, wenn ich das nicht will. So was gibt Sicherheit, selbst nicht einmal gefressen zu werden.

Leser, die kaum ein Interesse an langen Texten haben, wo Schachtelsätze wuchern wie Clipshow-Seiten im Netz, sind eh schon geflüchtet. Sie werden anderweitig Unterhaltung finden. Sie, werter Leser, sind immer noch herzlich eingeladen, mir weiterhin zu folgen. Sei es aus Langeweile, aus Neugier, aus Masochismus.

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