Von Kampfschurken und Biestmeistern.

Ich höre diese Märe immer wieder und spiele seit längerem selbst eine wichtige Rolle darin, diese inhaltlich zwar richtige, aber dabei völlig unstimmige Todsünde weiter zu verbreiten.

"Combat geht voll ab!!!" "Beastmaster sind so die R00X0R!"

Zu Beginn, werter Leser. Ja, es ist leichter, wenn man bestimmte Klassen mit einer einfachen, intuitiven Skillung spielt.
Zwei Beispiele:
Der Schwertschurke mit einer tiefen Skillung in Kampf.
Das würde zum Beispiel so ausschauen: Link

Die Taktik ist im Grunde immer dieselbe. Man baut Kombopunkte auf und stellt sich vor den Gegner. Jetzt zersägt man ihm mit zwei möglichst derben Schwertern zu rotem Schnittsalat und richtet ihn sauer mit Dipp an. Man drückt hier so ungefähr an die vier Tasten, wenn der Kampf schlecht läuft: Opener, meist ein Fieser Trick (Cheapshot), dann Finsterer Stoß (Sinister Strike), Adrenalinrausch und Klingenwirbel. Gegner tot…durch Klingenwirbel gleich drei auf einmal.
Mhm…keine Frage, langes Farmen wird damit zum Selbstläufer, schon allein wegen der nicht vorhandenen Auszeiten durchs Erholen (Downtimes durchs Reggen).
Soweit diese Technik.

Zweites Beispiel:
Biestmeister.
Diese Skillung geht, egal wie, bis zum 40igpunkte Ultimate. Damit ist nicht nur Ihr Pet einer mittlern Kernwaffe gleichgesetzt, auch Sie selbst sind stärker und, das entscheidende daran, von Furcht (Fear) oder Betäubung (Stuns) unbeeindruckt, weil immun.
Während Sie also wie Bud Spencer und Ternenc Hill durch die Gegen marodieren, haben Sie hier, für den Jäger typisch, nur drei Tasten zu drücken. Ja, richtig, drei.
Begleiterangriff, automatischer Schuss und Wildheit, das Ultimate. Lassen Sie die Schüsse durchlaufen, Ihr Tier wird lange genug den oder die Gegner halten können, so das Sie in der Zeit die alten Versicherungsunterlagen durchsehen können, die Sie schon seit Ewigkeiten abgeschickt haben wollten.
Soweit jene Technik.

Berichtigen Sie mich, aber geht es bitte noch langweiliger?
Sicherlich, wenn man lange für eine Sache immer wieder dieselben Gegner einäschern muss, dann wünscht man sich irgendwann eine gewisse Automatisierung, doch in diesem Falle darf man doch ohnehin kein World of Warcraft spielen.
Das Argument jener Schwertschurken, vornehmlich solche, die ihn als Zweitklasse spielen, man habe auf das Rumgehüpfe mit Dolchen keine Lust, mag treffend sein, doch andere Spieler, die eben etwas mehr von ihrer Klasse erwarten, als rum zustehen und einen Furorkrieger mit zwei Schwertern und schwarzem Lederdress beim Schlagen zuzuschauen, dann noch mit Spott zu belegen, das man doch so keine Ahnung vom Spiel hat, diese Arroganz will mir nicht in den Schädel. Mit dem so genannten Stunlock zu arbeiten, macht zukünftig für Schurken nur noch wenig Sinn, das sei ohnehin ein Grund, auf Kampf zu skillen. Berichtigen möge man mich, aber wie viele Möglichkeiten hat ein Schurke zu stunen? 5 oder 6? Das neue PvP-Schmuckstück löst einmal den Stun auf…dann folgt die Abklingzeit. Aber natürlich ist das schwer von Gewicht, wenn man World of Warcraft als Nebenbeigeschichte sieht, die bitte von selbst laufen soll. Man will schließlich Gilmoregirls gucken und dabei die Hexenmeister und Schattenpriester legen können.
Vielleicht habe ich über die Biestmeisterjäger kein Recht zu urteilen, da ich selbst mit dieser Skillung spiele. Dennoch habe ich dafür einen Grund, der über Bequemlichkeit hinausgeht. Erstens: Mit der Skillung ist man Raiduntauglich.
Zweitens: Sie ist im PvP sehr nützlich und meines Erachtens flexibler als Treffsicherheit oder der zwar nette, aber meist unpraktische Überlebensbaum.
Drittens: Ich mag den Jäger nicht mehr spielen. Ich finde die Klasse inzwischen mehr als fehlerhaft, was meine Ansprüche in World of Warcraft anbetrifft. Deshalb großartig nach Ausrüstung zu jagen, um in Treffsicherheit bald einmal Schurken übertreffen zu können, weil sie gerade afk sind oder nur grünblaue Sachen tragen, ist für mich wenig reizvoll.

Das man mit dieser Skillung besser farmen kann, stimmt zweifelsohne. Doch der Jäger war schon immer, egal in welcher Skillung, der Farmcharakter schlechthin.

Ob es nun die Konsolidierung des Feraldruiden von: „Katze oder Bär oder Heiler oder Eule“ auf „Eierlegende Wollmilchsau“ ist, ob man als Schurke sich bald gar nicht mehr aus dem Gasthaus bewegen muss, um Schaden zu machen, ob die Magier Sie nun wieder mit zwei Pyroschlägen und Glück aus den Schuhen hauen, ohne das Sie diese überhaupt gesehen hätten (kleiner Tipp, niemals die Sichtentfernung runter setzen) oder Hexenmeister bald alle gänzlich auf „Mortalstrike-Pet“ umsatteln werden, dieses vielleicht bald sogar einfach beim Trainer bekommen…all das zeigt, wie verwöhnt viele Spieler geworden sind.
World of Warcraft hatte nie Ambitionen darauf, einen E-Sports-Titel zu sein. Dafür ist das System der Items > Fähigkeiten des Spielers einfach zu einseitig. Glück oder das vollere Set entscheiden Kämpfe und so rüsten beide Seiten wie die alten Supermächte ihre Arsenale auf und strahlen vor sich hin, während das lachende waffenliefernde Blizzardländle aka die Schweiz dazwischen hockt und sich als königlicher Dritter ins Fäustchen lacht, während es die Taler zählt.

Doch scheinbar wollen immer mehr Spieler in der Masse World of Warcraft nur noch als Bildschirmschoner laufen lassen, in dem man einige Tasten drücken muss. Alles, was über 3 Knöpfe geht, braucht schon Makros und Addons oder gleich die Patchkeule von Blizzard. Wo bleibt dabei die Herausforderung?
Fragen Sie das ehrlich?
Fragen Sie lieber, ob es je eine gab? Sich im PvE von gescripteten Bitmaps umhauen lassen, weil 20 von 40 Mitspielern gepennt haben oder Blizzard die Kammer hinter den Bitmaps noch nicht fertig hat und deshalb die Gegner vor der Tür selbst gegen die Gummibärenbande siegreich wären…
Oder Sie von Gegner mit dreimal mehr Lilaglitzernden Zeug förmlich verdampft werden…stellen Sie sich halt nicht in die Fließrichtung der Lawine, und wenn Sie es doch tun, dann seien Sie sicher, das die Handschuhe um Ihre hilflos emporgereckten Stummelhändchen auch ja aus lilaorange Muster gewebt sind.

Über die Spiele von Blizzard heißt es stets: „Leicht zu lernen, schwer zu meistern.“
Wenn Sie dabei jetzt Eins und Eins zusammen zählen und im Hinterkopf behalten, was an World of Warcraft wirklich schwer zu meistern sein soll, dann verstehen Sie vielleicht mein Unverständnis, warum Schwertschurken und Biestmeister immer noch herumrennen, sich für die Krone der Schöpfung halten und dennoch über jeden neuen Patch weinen. Bald ist es wieder soweit. Freuen Sie sich mit mir…

Archiv

Mai 2007
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
16
17
18
19
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 

Aktuelle Beiträge

Es endet...
...bald. So oder so.
Moltenmind - Fr, 5. Sep, 17:50
Reif für die Insel?
Diese Insel dort oben steht unter keinem guten Stern...
Simonzero - So, 13. Jul, 13:45
Bis zum bitterem Ende...
Grüße, werter Leser. Obgleich mein Blog schon längst...
Moltenmind - So, 13. Jul, 02:37
Leiche im Keller?
Werter Leser, erinnern Sie sich noch an Hellgate London?...
Moltenmind - Di, 26. Feb, 14:27
Olnigg schreibt auf buffed.de...
Ein klassischer Olnigg im üblichen Stil, wie man ihn...
Moltenmind - Fr, 22. Feb, 15:50

Ego
Einleitung
News
PvE
PvP
RL-Wipes
Sidestep
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren