Einer meiner geschätzten Gildenkollegen postete vorkurzem dies:
http://daharka.twoday.net/stories/3800005/#3804630
Mhm…geht es Ihnen nicht manchmal auch so, werter Leser? Sie schlagen die Zeitung auf und lesen, dass eine Rugbymannschaft aus Australien gegen eine Weltauswahl erst kürzlich deutlich gewinnen konnte.
Das ist aber schön für sie…Was kommt heute Abend eigentlich im Fernsehen.
Es liegt mir fern, die Leistung der Gilde abzuwerten, die erfolgreich einen der derzeit schwersten Instanzgänge schon so gut wie hinter sich haben, nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung der Instanz. Doch kann ich sie dazu auch nicht ernsthaft beglückwünschen oder mich davon beeindruckt fühlen, da es so gar nichts beeinflussen wird, was ich oder meine Bekannten in WoW erleben oder erleben werden. Es hat keinen Einfluss auf uns.
Ein steriler, abgeklärter Sieg, fern und irgendwie unwirklich. Es bleibt der private Erfolg von Nihilum. Wir anderen zucken die Schultern und klatschen müde Beifall.
In zwei Monaten kann sich kaum noch jemand daran erinnern, oder wissen Sie vielleicht, wer den letzten Marathon gewonnen hat?
Moltenmind - Di, 5. Jun, 13:50
Heute, ein Tag wie jeder andere, abgesehen davon, das mein Schichtplan gekippt wurde und ich im Moment ohne feststehende Arbeitszeiten dastehe, ließ mich ehr lustlos den Shortcut meiner WorldofWarcraft-Version clicken.
Was mir der hauseigene Newposter an den Kopf warf, ließ mich sogleich innerlich einen Moment verharren und ich erinnere mich nicht, seit langer Zeit so glücklich darüber gewesen zu sein, World of Warcraft gestartet zu haben.
Natürlich ist die Rede von Star Craft 2 und dessen Ankündigung.
Ein Spiel, das so fest als Meilenstein der gesamten, aber auch meiner ganz persönlichen Spielerlaufbahn eingebrannt ist, dessen längst verloren geglaubte Neuauflage letztlich doch schwarz auf weiß dastehen zu sehen, hat mich schon einen Augenblick emotional werden lassen. Werter Leser, falls Sie tatsächlich nicht wissen was Star Craft ist, besuchen Sie bitte den nächsten Spielehändler Ihres Vertrauens. Anders als andere Klassiker wie FFIIV ist dieses unerreichte Prunkstück der RTS-Geschichte nämlich noch gut erhältlich, für kleines Geld noch dazu.
Aber natürlich wissen Sie was Star Craft ist. Sie wollten mich ja nur auf den Arm nehmen, nicht war?
Das erste was ich also an diesem Abend tat, ich deinstallierte C&C3. Das Metadon für StarCraft-Heroinjunkies. Schon lange konnte ich mich nicht mehr damit belügen, Cain allein würde reichen, um meinen Hunger nach gutem RTS zu stillen. Star Craft hat immer gefehlt, doch nun ist endlich Hoffung ins Haus.
Einen Moment nahm ich mir Zeit, während sich meine C&C3-Deinstallation einfror, als wolle es sich in meine Platte beißen, ganz dem Motto folgend, das es mich immer noch erfreuen und befriedigen könne. Müde lächelte ich es an, so dass es deutlich werden musste: Du nicht mehr…du hattest deine Chance…mir mit Protosverschnittaliens zu kommen, die gegen GDI und Nod ins Feld ziehen…kiss my ass.
Also, ich nahm mir Zeit und blätterte ein wenig in der Zukunft umher. Was konnte mir außer der obligatorischen Star Craft- Version bald ins Haus stehen. Natürlich weiterhin World of Warcraft. Da ist gesetzt, einfach weil ich zuviel mitgemacht habe, damit das Spiel einfach immer schlechter wird, ohne mich wenigstens noch ein bisschen zu fordern.
Doch andere Titel warten auf mich. Einer, laut eigener Aussage, gleich um die Ecke.
Hellgate: London.
Ein Titel, der Diablo 2 auf meinem Rechner definitiv ablösen wird. Zwar hängen auf den Forenseiten inzwischen schon einige alte Bekannte aus World of Warcraft rum, machen sogar ihre eigenen Seiten, doch das Ding hat einen Singelmodus und genug eigene Bekannte hat man inzwischen auch getroffen. Seltsam, wie sehr man sich durch WoW den Spaß an jeglicher Community verderben kann. Ich sage nur Ara…und Hellgate. Der macht sogar darauf eine eigene Radiosendung…toll, noch mehr flacher Minderheitenhumor und Selbstbeweihräucherung mit Matchosprüchen jetzt auch außerhalb von WoW. Finde ich sehr gut. Vor allem inhaltlich wird das der Szene sehr gut tun…
Falls Sie nicht wissen, wer das sein soll, beglückwünsche ich Sie und rate Ihnen dringend davon ab, weitere Nachforschungen anzustellen, das ist es die Mühe nicht wert.
Nun aber es gibt noch mehr. Bioshock. Der Titel, der für mich definitiv mehr her macht, als die Half-life-akte-X Nummer, von wegen, die Wahrheit liegt hinter dem nächsten Ladebildschirm. Aber auch Crysis sowie UT 3 werden sicher Toptitel auf meiner Platte.
RPG-technisch komme ich als alter Tabeltopspieler an Warhammer eh nicht vorbei, obwohl der RTS-Titel eine herbe Enttäuschung darstellte. Sonst halte ich mich mit Dungeon Siege 1 und 2 über Wasser und werde auch Oblivion + Addons nicht aus den Augen lassen.
Es gibt also immer noch genug, worüber sich zu schreiben lohnt. Vielleicht sind Sie ja dann auch wieder mit dabei? Ich würde mich freuen…
Moltenmind - So, 20. Mai, 23:55
Ich höre diese Märe immer wieder und spiele seit längerem selbst eine wichtige Rolle darin, diese inhaltlich zwar richtige, aber dabei völlig unstimmige Todsünde weiter zu verbreiten.
"Combat geht voll ab!!!" "Beastmaster sind so die R00X0R!"
Zu Beginn, werter Leser. Ja, es ist leichter, wenn man bestimmte Klassen mit einer einfachen, intuitiven Skillung spielt.
Zwei Beispiele:
Der Schwertschurke mit einer tiefen Skillung in Kampf.
Das würde zum Beispiel so ausschauen:
Link
Die Taktik ist im Grunde immer dieselbe. Man baut Kombopunkte auf und stellt sich vor den Gegner. Jetzt zersägt man ihm mit zwei möglichst derben Schwertern zu rotem Schnittsalat und richtet ihn sauer mit Dipp an. Man drückt hier so ungefähr an die vier Tasten, wenn der Kampf schlecht läuft: Opener, meist ein Fieser Trick (Cheapshot), dann Finsterer Stoß (Sinister Strike), Adrenalinrausch und Klingenwirbel. Gegner tot…durch Klingenwirbel gleich drei auf einmal.
Mhm…keine Frage, langes Farmen wird damit zum Selbstläufer, schon allein wegen der nicht vorhandenen Auszeiten durchs Erholen (Downtimes durchs Reggen).
Soweit diese Technik.
Zweites Beispiel:
Biestmeister.
Diese Skillung geht, egal wie, bis zum 40igpunkte Ultimate. Damit ist nicht nur Ihr Pet einer mittlern Kernwaffe gleichgesetzt, auch Sie selbst sind stärker und, das entscheidende daran, von Furcht (Fear) oder Betäubung (Stuns) unbeeindruckt, weil immun.
Während Sie also wie Bud Spencer und Ternenc Hill durch die Gegen marodieren, haben Sie hier, für den Jäger typisch, nur drei Tasten zu drücken. Ja, richtig, drei.
Begleiterangriff, automatischer Schuss und Wildheit, das Ultimate. Lassen Sie die Schüsse durchlaufen, Ihr Tier wird lange genug den oder die Gegner halten können, so das Sie in der Zeit die alten Versicherungsunterlagen durchsehen können, die Sie schon seit Ewigkeiten abgeschickt haben wollten.
Soweit jene Technik.
Berichtigen Sie mich, aber geht es bitte noch langweiliger?
Sicherlich, wenn man lange für eine Sache immer wieder dieselben Gegner einäschern muss, dann wünscht man sich irgendwann eine gewisse Automatisierung, doch in diesem Falle darf man doch ohnehin kein World of Warcraft spielen.
Das Argument jener Schwertschurken, vornehmlich solche, die ihn als Zweitklasse spielen, man habe auf das Rumgehüpfe mit Dolchen keine Lust, mag treffend sein, doch andere Spieler, die eben etwas mehr von ihrer Klasse erwarten, als rum zustehen und einen Furorkrieger mit zwei Schwertern und schwarzem Lederdress beim Schlagen zuzuschauen, dann noch mit Spott zu belegen, das man doch so keine Ahnung vom Spiel hat, diese Arroganz will mir nicht in den Schädel. Mit dem so genannten Stunlock zu arbeiten, macht zukünftig für Schurken nur noch wenig Sinn, das sei ohnehin ein Grund, auf Kampf zu skillen. Berichtigen möge man mich, aber wie viele Möglichkeiten hat ein Schurke zu stunen? 5 oder 6? Das neue PvP-Schmuckstück löst einmal den Stun auf…dann folgt die Abklingzeit. Aber natürlich ist das schwer von Gewicht, wenn man World of Warcraft als Nebenbeigeschichte sieht, die bitte von selbst laufen soll. Man will schließlich Gilmoregirls gucken und dabei die Hexenmeister und Schattenpriester legen können.
Vielleicht habe ich über die Biestmeisterjäger kein Recht zu urteilen, da ich selbst mit dieser Skillung spiele. Dennoch habe ich dafür einen Grund, der über Bequemlichkeit hinausgeht. Erstens: Mit der Skillung ist man Raiduntauglich.
Zweitens: Sie ist im PvP sehr nützlich und meines Erachtens flexibler als Treffsicherheit oder der zwar nette, aber meist unpraktische Überlebensbaum.
Drittens: Ich mag den Jäger nicht mehr spielen. Ich finde die Klasse inzwischen mehr als fehlerhaft, was meine Ansprüche in World of Warcraft anbetrifft. Deshalb großartig nach Ausrüstung zu jagen, um in Treffsicherheit bald einmal Schurken übertreffen zu können, weil sie gerade afk sind oder nur grünblaue Sachen tragen, ist für mich wenig reizvoll.
Das man mit dieser Skillung besser farmen kann, stimmt zweifelsohne. Doch der Jäger war schon immer, egal in welcher Skillung, der Farmcharakter schlechthin.
Ob es nun die Konsolidierung des Feraldruiden von: „Katze oder Bär oder Heiler oder Eule“ auf „Eierlegende Wollmilchsau“ ist, ob man als Schurke sich bald gar nicht mehr aus dem Gasthaus bewegen muss, um Schaden zu machen, ob die Magier Sie nun wieder mit zwei Pyroschlägen und Glück aus den Schuhen hauen, ohne das Sie diese überhaupt gesehen hätten (kleiner Tipp, niemals die Sichtentfernung runter setzen) oder Hexenmeister bald alle gänzlich auf „Mortalstrike-Pet“ umsatteln werden, dieses vielleicht bald sogar einfach beim Trainer bekommen…all das zeigt, wie verwöhnt viele Spieler geworden sind.
World of Warcraft hatte nie Ambitionen darauf, einen E-Sports-Titel zu sein. Dafür ist das System der Items > Fähigkeiten des Spielers einfach zu einseitig. Glück oder das vollere Set entscheiden Kämpfe und so rüsten beide Seiten wie die alten Supermächte ihre Arsenale auf und strahlen vor sich hin, während das lachende waffenliefernde Blizzardländle aka die Schweiz dazwischen hockt und sich als königlicher Dritter ins Fäustchen lacht, während es die Taler zählt.
Doch scheinbar wollen immer mehr Spieler in der Masse World of Warcraft nur noch als Bildschirmschoner laufen lassen, in dem man einige Tasten drücken muss. Alles, was über 3 Knöpfe geht, braucht schon Makros und Addons oder gleich die Patchkeule von Blizzard. Wo bleibt dabei die Herausforderung?
Fragen Sie das ehrlich?
Fragen Sie lieber, ob es je eine gab? Sich im PvE von gescripteten Bitmaps umhauen lassen, weil 20 von 40 Mitspielern gepennt haben oder Blizzard die Kammer hinter den Bitmaps noch nicht fertig hat und deshalb die Gegner vor der Tür selbst gegen die Gummibärenbande siegreich wären…
Oder Sie von Gegner mit dreimal mehr Lilaglitzernden Zeug förmlich verdampft werden…stellen Sie sich halt nicht in die Fließrichtung der Lawine, und wenn Sie es doch tun, dann seien Sie sicher, das die Handschuhe um Ihre hilflos emporgereckten Stummelhändchen auch ja aus lilaorange Muster gewebt sind.
Über die Spiele von Blizzard heißt es stets: „Leicht zu lernen, schwer zu meistern.“
Wenn Sie dabei jetzt Eins und Eins zusammen zählen und im Hinterkopf behalten, was an World of Warcraft wirklich schwer zu meistern sein soll, dann verstehen Sie vielleicht mein Unverständnis, warum Schwertschurken und Biestmeister immer noch herumrennen, sich für die Krone der Schöpfung halten und dennoch über jeden neuen Patch weinen. Bald ist es wieder soweit. Freuen Sie sich mit mir…
Moltenmind - Di, 15. Mai, 02:06
Nun, werter Leser, Ihnen dürfte ja meine eigene Meinung über das alltägliche Raidgeschäft nun hinlänglich bekannt seien. Es sei daher unerwähnt, das ich selbst mich durchaus gerne davon befreit sehe, ob ich das nun selbst tue oder meine Gilde einfach selbiger Tätigkeit nicht mehr nachgeht.
Da jeglicher Sinn in WoW in dem Erlangen von epischen Gegenständen zu liegen scheint und diese oftmals nur durch das Raiden von Instanzen erlangt werden können, liegt der fatale Missstand auf der Hand. Gilden, die nicht raiden, sind wie alte Autos. Man hängt an ihnen und weiß nicht, ob sie die nächsten 100 Kilometer noch schaffen.
Symptomatisch sind die heulenden Zylinder, die an jeder Ampel verdächtig schnaufen. Erkennen Sie das Gleichnis wieder? Wenn nicht, gehören Sie sicherlich einer der funktionierenden Raidgilden an oder sind allein in der World of Warcraft unterwegs.
Heulende Zylinder:
Der Motor eines jeden Raids sind die Mitglieder der Gilde, die solche organisieren und leiten. Steuereinheit und Herzstück solcher Kommandounternehmen geben sich tragende Titel wie „Rat“ „Leitung“ oder „Management“. Lassen Sie sich von keinem noch so groß klingendem Titel abschrecken, dahinter stehen lediglich vier bis fünf Spieler, die so viele epische Items wie nur möglich wollen und sich deshalb Stunde für Stunde hinsetzen und eine Taktik nach der anderen lesen, um später andere Spieler zum Sieg führen zu können. Es soll auch schon Spieler gegeben haben, die nur fürs Erlebnis raiden gehen, doch Blizzard hat hier mitgedacht. Gier zieht mehr und lässt sich viel einfacher und unkomplizierter befriedigen. So sind Erlebnisspieler durch Profilachsen a la Moltencore oder BWL meist schon zur ersten Gruppe übergetreten.
Dennoch sei die Leistung dieser Spieler keineswegs herabgewürdigt. Ja, sie verbringen eine Menge Zeit mit Planung und Organisation. Doch bitte, fallen Sie nicht auf das weinerliche Getue herein, das viele dieser Spieler absondern, wenn es mal nicht so läuft, wie diese es ach so gerne hätten.
Erstens: Einen Raid auf die Beine zustellen und zuleiten ist kein Hexenwerk.
Zweitens: Anführern den Arsch zu pudern, damit man am Ende nicht selbst die Arbeit am Hals hat, war noch nie sehr erfolgreich. Feige und rückratlos sich hinzustellen und nur für die leichten Items sich raus zuhalten, ist oftmals der wahre Grund für den Untergang einer Raidgilde oder deren Bündnisse.
Da Leiter und Chefs grundsätzlich immer ihre eigene Arbeit für Unterwürdigt halten, ist es nicht verwunderlich, wenn diese immer an allem etwas zu meckern haben. Leider stumpfen andere Mitglieder auf dem Ohr schnell soweit ab, das der kritische Zustand einer Gilde sich schleichend einstellt.
Gefräßige Kolben:
Viele Spieler sind verwöhnte Kinder, egal wie alt sie sind. Anwesenheit und 3 Knöpfe drücken. Dann wird das lila Zeug kommentarlos eingepackt und weg ist man. Was Sinnvolles tun. Wie Autisten reagieren solche Spieler sehr empfindlich auf veränderte Situationen, vor allem wenn sie nicht bekommen, was sie wollen. Dann mutieren sie zu bockigen Kindern in eine Trotzphase und schlagen wild um sich. Halten Sie solche Spieler sorgsam von Ihrem Raid fern. Leider sind diese Kreaturen nicht leicht zu erkennen, da sie sich unter dem Deckmantel der schweigsamen Automatisierung verstecken und rücksichtslos die Lethargie der Harmonie als Schild benutzen. Bloß keinen Streit anfangen und kein Rumgezicke riskieren.
Nun, wenn Sie genug lila Treibstoff haben, können Sie diese Komponenten eine lange Zeit durchfüttern. Vorsichtig aber, bei einer unvorhergesehenen Drehzahlerhöhung. Hungrige Kolben neigen zu Kolbenfressern.
Weniger Sprit bei mehr Leistung:
Einem Perpetuum Mobile gleichsam, so kommt es mir manchmal vor, wie manche Spieler durch diese virtuelle Welt tanzen wollen. Sie träumen von epischen Gegenständen und wollen dafür nicht mehr tun, als sie ohnehin schon getan haben: Sich eingeloggt und Geld bezahlt. Das geht schon beim Einladen in einen Schlachtzug los.
Termine sind völlig willkürlich. Spätestens nach dem dritten Mal kommen die ersten zu spät.
Dann geht es weiter, das die Spieler feststellen, das man noch zu Instanzen laufen muss. Nein, das können doch Hexenmeister eh viel besser. Wenn diese eh schon da sind, ist das Erstellen eines Portals doch wohl nicht zuviel verlangt. Innerhalb der Instanzen wiederholt man selbiges Spiel. Direkt vor den Boss …wie du kannst mich nicht genau auf meine Position stellen?
Dann geht es weiter. Wasser und Brot wird bitte gezaubert und der Magier hat dann die Teilnehmer abzulaufen und es allen auszuhändigen. Bitte und Danke sind hier fehlt am Platz, sonst werden die Kühlboxen auf zwei Beinen noch unerzogen. Ähnliches Spiel mit den Gesundheitssteinen.
Alles ist lästig und den Spielern zuwider. Vielmehr möchte man sich angeregt darüber beschweren, wie langsam man doch heute voran kommt und das beim letzten Boss nur Müll gefallen ist und man teuer Instandsetzungkosten für seine Sachen hatte und die sonstigen Reagenzien einen ja förmlich umbringen und und und…
Sollten Sie einmal einen Raid leiten, nehmen Sie für derlei Spieler bitte den Goldlöffel mit, damit Sie dessen Hoden auch seinen Ansprüchen gerecht zuwenden im Stande sind. Er liegt sich auf einem Raid ja förmlich wund.
Die aufgewandte Energie darf für jene Auserwählte nicht das Endergebnis an Wert unterschreiten. Jegliches Abweichen von dieser in Erz gegossenen Formel wird lauthals beklagt und beweint.
Ich selbst habe mich auch diesem Verhalten hingegeben, keine Frage. Nicht grundlos habe ich derlei tiefgehende Kenntnisse über den Gemütszustand von vielen Spielern. Heute raide ich nicht mehr. Vielleicht ein Segen für manchen meiner alten Leiter.
Abstimmung mit den Füßen:
Ich kann durchaus verstehen, dass sich nicht jeder der Situation gewachsen sieht, einen Schlachtzug durch eine Instanz zu treiben. Ich habe auch den nötigen Respekt vor jedem, der dies immer wieder und wieder tut.
Ich selbst werde, wenn das so in meiner eigenen Gilde weitergeht, nicht wieder raiden können, weder mit dem Jäger, was ich ohnehin nicht mehr vorhatte, noch mit der Priesterin. Vielleicht, wenn ich selber zum Leiter werde. Man wird sehen, ob es meine Gilde zu diesem Zeitpunkt dann noch gibt. 30 Level und jede Menge Vorquests trennen mich von der Antwort.
Ich erzähle Ihnen dann gerne davon, sollte es dazu kommen. So oder so.
UPDATE: Sternzeit 200705120222
Tja, werter Leser, Totgesagte leben länger. Selbst jene, die Selbstgespräche führen.
Da es ich momentan mich ganz ins Geschäft des Burgerwendens vertiefe, denn ja, auch ich habe eine Schwäche für Nahrung und Obdach, bin ich nicht mehr ganz auf der Höhe, was dies anbetrifft.
Zwar freut es mich, das meine Gilde nun erfolgreicher im PvE wird, doch beschleicht mich darüber hinaus eine gewisse Ermüdung in Sachen World of Warcraft, die ich schon lange nicht mehr hatte. Priester, selbst in kompletter Heilungsmontur, scheinen immer unbeliebter zu werden. Da ich mich schon nicht als Jäger nur wegen "Kumpelstatus" mitnehmen lassen möchte, sondern auch als Unterstützung dienen will, scheint Priester eine Sackgasse zu sein.
In Sachen PvP wird an der Klasse ohnehin nach wie vor rumgesägt, was das Zeug hält. Sehen Sie sich die zukunftigen Patchnotes an, 5 % Schaden weg, einfach mal so, als wäre dies schon lange fällig gewesen. Ich müsste also, um PvPfähig zu werden, mit einem starken Schadensset gegenkoppeln, das man aber nicht durchs PvP erhält und im PvE Schattenpriester ehr Manabatterien und Regenrationsrobotor geworden sind, als wirkliche Schadensklassen. Schamanen, Hexer und Magier sind darin besser...natürlich, kein Zweifel. In Sachen Raid heile ich auch lieber. Doch verbaue ich mir damit im Grunde doch das Recht, auf das Schadensset zu gehen, oder? Muss ich dann nicht das Heilungsset nehmen, noch mehr Willenskraft und +Heilung tanken, damit mein Schädel am Ende nicht mehr durch die Dungeontür passt? Klar, was auch sonst...gähn...vielleicht erkenne Sie die vertrakte Lage. Selbst wenn ich Spaß am Raiden haben würde, bliebe es für mich ziellos, selbst auf kurze Sicht betrachtet.
Moltenmind - Sa, 5. Mai, 18:00
Verwirrende Anekdoten gibt es immer wieder. Auch die Gamesszene ist voll davon. Teamspeak-mitschnitte oder Clips auf Youtube beweißen es täglich. Doch durfte ich zuletzt wahrlich Zeuge der Geburtsstunde eines solchen Ereignisses seien.
Aber der Reihe nach.
Einer meiner Unikollegen ist ebenfalls Spieler in einem Schlachtzug und mit selbigem in World of Warcraft unterwegs. Drei Mal die Woche, jeweils drei Stunden. Freitags mit offenem Ende.
Ein paar Worte zu meinem Bekannten. Zwar kein Informatikstudent, aber nebenberuflich in einem Elektro-Discounter in der Abteilung Netzwerk in schickem rotweißem Arbeitsdress anzutreffen. Er ist zusätzlich ein brennender Fanatiker in Sachen Mobilität und kabelloses Netzwerk, sprich Wireless und Co. Abgesehen von einer Wohnung, in der das Umdrehen auf der Fernsehcouch zur Umräumaktion des gesamten Hausstandes ausartet kann, sind die ca. 34 m² effektive Wohnfläche mit zwei funktionstüchtigen Rechnern, weit überversorgt, weshalb sich mir die Frage nach dem Sinn stellt, warum man mit einem neuen Funkheadset denn überall in dieser…gigantischen Weite erreichbar bleiben muss. Schlicht weil es geht?
Hefeteig geht auch, bleibt dabei aber noch weitgehend sinnvoll.
Ich bin ja eh der Nostalgiker und habe immer wieder Freude am neuerlichen Strippenziehen. Ein Netzwerk zu bauen, ohne dabei wunde Ellenbogen von der Indiansummerfarbigem Vorwerkauslegware zu bekommen, das ist für mich kein hart erarbeitetes Glück am stabilen Datenfluss. Außerdem, wer an mein Netz will, der muss noch klassisch meine Tür aus den Angeln treten, um den Router abzugreifen, was wiederum den Schreiner glücklich machen würde. Ergo: Kabel sind der wahre Fortschritt.
Mein Bekannter ist Hordespieler und spielt Jäger. So trug es sich zu, dass er mit der Aufgabe des Kitens betraut wurde, sprich, mehre Monster über lange Strecken hin und her zu ziehen, damit diese von den empfindlichen Heilern fern bleiben. Darin war er auch entsprechend gut, so dass vorwiegend ihm diese Aufgabe zugestanden wurde. Ansonsten war er ein eiserner Verfechter der Autoshot-Afktheorie in Praxis und blätterte bei vielen Kämpfen lustlos in neuen Hardwarekatalogen, ohne den Blick auch nur zum Bildschirm zu werfen. Die Makros /traget + /stick unterstützten ihn dabei nach bestem Wissen und Gewissen.
Ein solcher Schlachtzug kann lang sein und freitags will er manchmal so gar nicht enden. Ich hatte mich aus mehren Gründen für den Mittwoch eingeladen und war somit zu Gast bei einem der Raids.
Er lag schon seit einer guten Woche mit einer schweren Harnwegsentzündung danieder und hatte immer noch schwer an Schmerzen und Fiber zu kauen. Nun pflegen wir einen vertrauensvollen Umgang mit einander und ich durfte mir gleich nach dem Eintreten, brühwarm erzählen lassen, wie das so ist, mit einer Harnwegsentzündung. Nicht das es mich interessiert hätte. Ohnehin hatte er sich seit gut vier Tagen nicht mehr aus dem Haus bewegt und nur in World of Warcraft verbracht. Ich fand, er habe es schlechter treffen können, doch hatte ich auch noch nie eine Entzündung des Harnleiters. Ich sollte noch lernen…gleich an diesem Abend.
Der Raid lief. Mein Freund fingerte desinteressiert an seiner Maus rum, schlug ein paar Tasten für seine Makros an und plauderte mit leidender Stimme, wie der Schmerz seine Lenden förmlich zerreißen würde und er sich schon gar nicht mehr traue, zu urinieren. Nun…der genaue Wortlaut war: „Ficken, ehy. Drecksentzündung, is als wenn man flüssiges Wachs pisst, so scheiße ehy, und ich muss die ganze Zeit auf den Pott wien Wallach.“
Dabei hatte er das Headset auf.
Ich fragte, ob er sich gemutet hätte. „Klar, immer…die sabbeln eh immer nur die Taktik für die Noobs durch…chillig also…“
Nun, so denn, es lief eine Weile so weiter. Er litt Qual und Folter, als würde er leibhaftig mit dem Penis voran ans Kreuz genagelt werden und wortreich bedacht wurde ich unfreiwillig Zeuge. Ich hätte ihm gerne den Oscar verliehen…oder wenigsten mit dem Preis bewusstlos geprügelt und wollte schon gehen.
Ich bin schon am Jacke zuknöpfen und drehe mich in der Tür um, er soll mir noch einige Zeitschriften raus suchen, die ich ihm geliehen hatte. „Wart kurz…“ Klick am Headset. Er murrt ein paar Worte ins Mikro. Dann springt er auf, natürlich in quälend langsamer Zeitlupe eines Soldaten mit tausend Bauchschüssen.
„Gleich…“ raunt er und verschwindet.
Ich stehe wartend in der Mitte des Raumes. Der Rechner und der Schlachtzug laufen unbeeindruckt weiter, ich bin selbst Spieler eines Jägers, was werde ich also tun, um die Zeit zu vertreiben? Ich setze mich vor dem Bildschirm hin und scrolle ein wenig im Chat hin und her. Der Jäger feuert statisch auf ein großes wabbelndes Ungeheuer, die anderen springen umher und alles ist am arbeiten.
Stöhnen in der Wohnung, das von gekachelten Wänden zum Echo aufgebauscht wird. Ich ignoriere es so gut es geht. Durch die Tür des Bads höre ich Keuchen und Wimmern. Immer wieder einige dumpfe Flüche: “Ficken…kacke…nee…jetzt komm halt…“
Ich scrolle weiter und betrachte gelangweilt den Kampfchatlog. Im Chatfenster herrscht seit einiger Zeit totenstille. Nichts ungewöhnliches, das gibt es bei großen Gegnern oft.
„FICKEN…ICH PISS HIER BLUT UND EITER…DRECKS…ARRG…DAS TUT SO WEH…“ Mehre gutturale Ausrufe reihen sich an hilfloses Gewimmer und erstickte Stoßgebete an.
Ich wollte das gerne ignorieren, weil ich es nicht besonders erbaulich fand und schloss die Augen, um an die schönen Dinge in meinen Leben zu denken. Den Körper meiner Verlobten. Doch dazu das Stöhnkonzert vom Abort der Wohnung zuhören, vertrieb mir schnell das Bild meiner Herzangetrauten.
Als ich meine Augen öffnete, explodierte vor mir förmlich der Chat:
„Lol, wtf, xD, XDDDDD, was geht oO , ROFL, LOL!!!! was zum…“ und noch mehr xD.
Alles mehr oder weniger deutliche Zeichen, das entweder was im Schlachtzug schief läuft oder sie das böse Monster überraschend besiegt haben.
Nein, weit gefehlt und auf einmal habe ich keine Probleme mehr damit, den leidenden Markschreier im WC zu ignorieren. Scheinbar seine Freunde und Kollegen aus dem Schlachtzug, in dem er gerade mitspielt umso mehr. Der Anschaulichkeit wegen die folgenden Chatzeilen so genau wie möglich:
„…der pisst nich wirklich grad…Oo“
„…xD…is das geil…“
„aua…XD…“
„…ich glaub, der pinkelt gerade rasierklingen…“
„spielt der nich...oder pisst er in ne ente…“
„hat nen eimer unterm Schreibtisch…als farmer brauchste das auch…xDDD“
„omg wie geil…“
„schneidet das einer mit? ^^ “
„xDDDDDD“
Es dauert etwa 12 Minuten. Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, aber den Gegner haben sie noch getötet. Erstaunliche Leistung, bei der Geräuschkulisse. Ich selbst konnte nicht wirklich lachen, dafür war das Livegeschreie etwas zu gruselig.
Mein Uni-Kollege kam wieder, rote Augen und verschwitztes Gesicht.
„Ich kann nich mal pissen, ehy…und morgen kommt meine Freundin…wie soll ich dien flachlegen so…“
Ich starrte den Rechner an und musste doch sehr an mich halten. Endlich konnte ich mich umdrehen, um ihm mit todernstem Gesicht zusagen, dass sein Schlachtzug schon die Beute aufteilen würde, aber nichts für einen Jäger dabei gewesen wäre. Ich weiß heute nicht mehr ob es gestimmt hatte, es war mir auch egal. Ich wollte nur weg, bevor ich an unterdrücktem Lachen erstickte. Beim Rausgehen habe ich ihm noch geraten, seiner Freundin besser nicht beizuwohnen, wolle er sie nicht anstecken.
„Alter…aber ich hab schon vier tage nich mehr…“ sagte er, noch zu mir gedreht, immer noch nicht die Augen auf dem Bildschirm, das Headset lag locker um seinen Hals, das Mikro am Kinn.
Hinter ihm sah ich den Monitor in orange Zeilen getaucht. Sogar einige pinkfarbene Zeichen, wohl Mitspieler, die nicht mehr konnten und ihn um eine Auszeit bitten wollten oder Leute, die ihm gute Besserung wünschten. Das tat ich beim Rausgehen ebenfalls und hatte dabei meine Zeitschriften ganz vergessen.
Moltenmind - Do, 19. Apr, 04:06
Vielleicht haben Sie ja schon die eine oder andere Veränderung bemerkt, die hier auf diesem Blog der Öfteren wie von Geisterhand alles hin und her springen lässt. Ich habe hier auf twoday.net noch keine Blog gemacht und muss mich erst wieder etwas Reinfinden. Deshalb wird es nun auf der Startseite immer einen Newsartikel geben, der, ich verspreche es, in Kürze alle Veränderungen und Neuerungen vorstellen wird.
News: (endlich ein legitimer Anglizismus..juhuuu…)
Zwei neue Themengebiete sind dazu gekommen. Man erreicht sie über den Scrollover im Header bei Moltenmind, falls Sie dies noch nicht wussten.
Moltenmind - Mi, 18. Apr, 05:03
Ich begrüße Sie, werter Leser.
Natürlich bin ich mir bewusst, dass es inzwischen durchaus auch Leser(in) heißen sollte, allein des hohen Anteil an Frauen im Netz, dem VL an sich und der Gameszene wegen. Doch, ebenso wenig wie ich daran glaube, das sich auf diese Seite viele Frauen verirren werden, als es überhaupt viele Leser geben wird, jedenfalls nicht in naher Zukunft, belasse ich meine Anrede bei der rein männlichen Anrede.
Die Höflichkeitsform möchte ich deshalb anbringen, weil es doch viel zu oft ein sehr trübes Fischen im Schlamm der anonymen Internetgesellschaft darstellt und selbst intelegente, liebevolle Familenväter zum pubertierenden Bodensatz einer posenden Proleedmasterroxxor-Gemeinde werden. Ich nehme mich davon ausdrücklich nicht aus, möchte mir aber diese allzu lästige Angewohnheit sehr gerne abgewöhnen.
Dieser Blog hat kein scharf umrissenes Ziel, ist dabei aber - so hoffe ich - weit von den "Ich-erzähl-euch-mal"-Monolithen entfernt. Nicht das ich diese Blogs abwerten wollte, tatsächlich kenne ich nur wenige Blogs und verfolge die Szene ehr einer spontanen Eingebung folgend. Der Zerstreuung wegen.
Wie der Untertitel schon umschreibt, soll sich der Blog insgesamt mehr oder minder um das Thema "VL"² drehen und wie man damit im "RL"³ zurande kommt. Denn an den Nahtstellen dieser beiden Welten gibt es so manche Risse und Eselsohren, an den man sich böse Flecken holen kann.
Sinn und Widersinn von Blogs
Es gibt sicherlich mehre Millionen "emo-Bloger"², die den ganzen Tag im Internet ihr Leid, ihr Leiden und ihren Leidensweg danieder schreiben. Der Vorteil ist, es wird kein Papier verschwendet und nicht ein Baum umgehauen, es sei den, geschätzter Leser, sie drucken sich derlei Lekture aus...bitte tuen sie das nicht. Nehmen sie das Bild ihres Kindes, es wirkt soviel dekorativer am Kühlschrank...oder legen Sie den Ausdruck, nach dem Sie ihn gelesen haben, doch in den Hamsterkäfig.
Was ich damit sagen will, auch ich gehöre sicherlich in vielen Bereichen meines virtuellen Werdeganges immer wieder dem Lager der "Emos" an. Gemütsschwer schleppe ich mich dann durch meinen V-Alltag, rege mich über alte Einträge im Daniel-Kübelböck-Fanforum auf, weine, wenn ich wieder nur böse Spammmails bekommen habe und überlege, ob ich den Support meines Internetanbieters anrufen soll, um ihn anzuschreien, das mein Internet nicht funktioniere, am besten über Skype...
In solchen Phasen würde ich am liebsten meine eigene Beerdigung ausrichten, nur um nachzuzählen, wie viele kommen würden und vorwiegend wer. Mit Litermass würde ich ihre Tränen nachmessen.
Für solche Kreaturen wie wir es sind; nun kann ich getrost von "wir" sprechen, sie kennen die grässliche Wahrheit ja nun, werter Leser, sind in den Phasen, die wie die Periode der Frau monatlich unaufhaltsam einkehren, gerade zu gewaltsam unfähig zur sinnvollen Selbstreflektion. Wie aus einem üblem Fiberwahn unter Alkohol und Kokain, sehen wir uns dann die Werke dieses "Anfalls" nur sehr ungern an.
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Anmerkungen: (für alle die Angst vorm Fragen haben...)
² = virtuelles Leben
³ = reales Leben
² = "Emobloger" sind emotional überreagierende Teilzeitdramatiker mit einem Hang zum alles erstickenden Selbstmitleidkomplexen. Das Wort an sich habe ich erfunden. Glaub ich wenigstens, jedenfalls hab ich nirgendswo anders gesehen und deswegen ist es MEINS!!!
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Worauf will ich hinaus, werter Leser? Und womit hätte ich bisher ihre Geduld gerechtfertigt? Mit nichts, natürlich.
Das Schöne am Blogen ist, es geht um wirklich nichts Wichtiges. All das hier ist mehr oder minder inhaltsloser Zeitvertreib und nur Menschen mit einer wirklichen Verhaltensauffälligkeit, um es vorsichtig auszudrucken, stricken sich daraus einen Lebensinhalt. Ich nehme natürlich solche Formate aus, die sich da mit dem Amateurjournalismus betätigen oder inhaltliches Fachsimpeln über ausgewählte Themen wie Angeln, Modelbau oder Töpfern aufbereiten. Die breite Masse ist jedoch nur noch mit sich selbst beschäftigt, in dem Glauben, das es irgendetwas Interessantes daran gäbe, das die Welt erfahren müsste. Und so werden allzu oft die guten alten Blogs übers Töpfern mit privatem Inhalt aufgefüllt, das zusammen gesetzt ehr an ein Protokoll aus einem Beichtstuhl oder einem Therapiezentrum erinnert.
Vielleicht ist es auch Therapie, für den einen oder anderen. Seelenstrip kann genauso erfüllend sein wie die Selbstbefriedigung. Etwas das es in einer offenen Gesellschaft nicht zu verteufeln gilt. Also haben diese vielen, inhaltlich unnützen Blogs ihre Berechtigung? Natürlich haben sie das. Es erleichtert dem Schreiber scheinbar das Leben, in welcher gearteten Weise das auch sein mag. Und der Leser, Sie also, fühlen sich entweder unterhalten und informiert oder tun es nicht, so das ihnen jedoch immer noch die unbegrenzte Auswahl einer Vielzahl Angeboten offen steht. Fein ist dabei auch, das der Schreiber nicht direkt von einer eventuellen Ablehnung Ihrerseits betroffen ist, solange er keinen Wert oder eine Notwendigkeit zieht, wie es Schriftsteller mit Auflagenzahlen oder Theaterschauspieler mit dem Publikum machen.
Sie sehen also, geschätzter Leser, allein das Schreiben an sich kann schon der Mühe wert sein. Es noch zu veröffentlichen, das ist wohl das Sahnehäubchen oben drauf. Auch ich kann also nur Gewinn daraus ziehen. Aus mehren Gründen:
1. Ich übe mich. Schreiben, Formulieren, Fabulierer. All das hält den Verstand in Form und verbessert die grundlegenden Fähigkeiten der Sprachkenntnisse. Allein meiner Orthografie wegen ist ein solches Projekt hier ein Segen, wie Sie sicher schon an den Stellen bemerkt haben, die ich selbst nicht beim Durchsehen erwischen konnte. Lektoren sind heute aber auch wirklich Mangelware, finden Sie nicht auch?
2. Ich schreibe über Dinge, die mich so bewegen und beschäftigen. Das ist einfach spannend. Man beginnt die erlebten Dinge unter anderen Blickwinkeln zu betrachten und, wenn es alles passt, lernt man Neues daraus.
3. Ich unterhalte Sie. Warum auch immer. Vielleicht, wenn das hier eine Weile gut geht und Ihnen der Sinn danach steht, erklären Sie mir warum. Versprochen?
Puh…wenn ich mir so den Text betrachte, den ich bisher zustande gebracht habe, sollte ich dringend ein paar motivierende Zwischensätze streuen, die Sie zum Durchhalten animieren sollen. Denn es lohnt sich. Da gibt es etwas, dessen ich mich immer sehr erfreut habe, ohne mir jemals des Begriffes bewusst gewesen zu sein. Jedenfalls nicht insofern, das ich dieses einmal tunen würde. Satire schreiben.
Ja, um es deutlich zu machen, da steh ich drauf. Ich mag es, Großen, die viel stärker sind, als ich, ihr Scheitern und ihr Verfehlen richtig hinzu reiben. Dabei ist mir das Feld in dem ich meine Antagonisten wähle, mehr als beliebig. Verstärkt bin ich natürlich in Feldern unterwegs, in denen ich mich auskenne. Aber immer wieder darf es ein Abstecher in Nachbars Garten sein. Doch will ich Sie nicht gleich auf den ersten Zeilen verschrecken. Zu viele Seiten sind sarkastische Schlachtfelder, auf denen in bluttriefende Foren vernarbte Zyniker nur noch auf den nächsten unbedarften User warten, um ihm Unschuld, Würde und Selbstvertrauen zu nehmen. Zwar bin ich selbst oft nicht ganz unschuldig gewesen und war bei mehr als nur einer Jagd auf Neulinge dabei. Zaungäste werden im Internet schnell zu Komplizen. Oder Opfern. Ich schäme mich deswegen nicht, bin aber auch nicht sonderlich stolz drauf. Es gehört zum VL. Was dem einem Patina ist dem anderen Narbengewebe. Ich halte es schlicht für Übung und Erfahrung. Seien Sie jedoch versichert, hier ist es wie im Tiergarten bei der Fütterung im Raubtiergehege. Sie gucken, ich fresse. Wenn Sie auf so was stehen, ein weiteres mal herzlich Willkommen.
Toll finde ich dabei, das die größeren, gemeineren Viecher vom Nebengatter nicht zum mir kommen können, wenn ich das nicht will. So was gibt Sicherheit, selbst nicht einmal gefressen zu werden.
Leser, die kaum ein Interesse an langen Texten haben, wo Schachtelsätze wuchern wie Clipshow-Seiten im Netz, sind eh schon geflüchtet. Sie werden anderweitig Unterhaltung finden. Sie, werter Leser, sind immer noch herzlich eingeladen, mir weiterhin zu folgen. Sei es aus Langeweile, aus Neugier, aus Masochismus.
Moltenmind - Di, 17. Apr, 03:18